Grit Poppe/ Autorin

Bücher

Erzählungen

Der Fluch

Erzählungen
Mitteldeutscher Verlag Halle Leipzig 1989
Kleine Edition kontakte
(nur noch antiquarisch erhältlich)

Der erste Satz
Leo Frontschak unterschied sich äußerlich kaum von anderen Straßenpassanten, als er an einem kalten Januartag die vermatschten Wege, vorbei an Läden, aus denen die Weihnachtssterne gerade erst entfernt worden waren, entlanglief.

Inhalt
Leo Frontschak, Vampir und Bankangestellter, lebt ohne besonders aufzufallen unter uns. Nur mit Lisa und mit Mona kommt er nicht klar, und der verhängnisvolle Fluch erfüllt sich auch an seiner Tochter. Grit Poppe, Jahrgang 1964, schreibt über Vampirismus eigener Art. Gemeinsam sind den Helden ihrer vier Geschichten der Verlust von menschlicher Wärme und Liebe und die daraus entstehenden Ängste und Sehnsüchte. (Verlagstext)

Leseprobe
„Er starrte sie an, und Julia begriff, was die Redewendung ‚tief in die Augen blicken’ bedeutete. Mit einem Mal fühlte sie sich schutzlos, klein, nackt, als habe ihr der Mann Mantel und Hemd ausgezogen und sei nun noch dabei, ihr die Haut vom Körper zu reißen. Dieser Blick schmerzte sie und zog sie zugleich an; er schien sie auszusaugen, er nagte an ihr, und er schien zu versprechen, was sie erwartet hatte: Veränderung. Er war so zwingend und ausdauernd, dass sie nur noch denken konnte: Ich bin in seiner Gewalt, ohne jedoch auch nur den kleinen Finger dagegen rühren zu können. Als sich das Lächeln wieder auf seinem Gesicht zeigte, verzog sich auch ihr Mund zu kokettem Spiel, als gehöre er nicht mehr ihr, sondern längst schon ihm.“ (aus: „Die Veränderung“)

Presse
„Die junge Autorin hat mit wirklicher Sensibilität tief in die Menschen eingedrungene Erstarrungen erspürt und sie mit ungewöhnlichem Erzähltalent in überraschende Formen gebracht. Gesellschaftszustände im Individuum zu finden und in meisterliche literarische Bilder zu bringen – das ist schon was.“ Wochenpost

„Die Moral der Erzählungen ist so konsequent wie die der Struwwelpeter-Geschichten: Wenn Paulinchen verbrannt ist, kann es nicht wieder lebendig werden.“ Junge Welt

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