Grit Poppe/ Autorin

Bücher

Romane

Geteiltes Glück

368 Seiten, gebunden
19,90 Euro
Gustav Kiepenheuer Verlag 2006
ISBN 3-378-00676-5

Der erste Satz
Jeden Morgen gingen sie denselben Weg.

Inhalt
„In der Ehe von Annelie und Jonathan – Ende 30, 2 Kinder – knistert es schon lange nicht mehr. Höchstens, wenn die beiden einander ihre alltäglichen kleinen Gemeinheiten antun: sie dreht den Radiosender auf, den er nicht leiden kann. Er ascht auf den Teller, weil sie das hasst. Sie steigt mit dem erst-besten Imbissbuden-Hannes in die Kiste. Er kann sowieso nur noch an die hübsche Edith aus dem Reisebüro denken.
An Heiligabend ist dann Schluss. Annelie packt die Kinder ein und geht. In die Wüste. Und Jonathan macht in Tunesien Pauschal-Urlaub mit Edith. Beide erwarten wilde Abenteuer, aberwitzige Slapstick-Einlagen und irgendwann auch ein turbulentes Wiedersehen.“ (Radio Fritz Info)

Leseprobe
„Ich bin nicht krank“, sagte Annelie. Sie überlegte, wie sie ihm die ganze Geschichte erklären sollte. Sie schwieg. Ihr fiel nicht ein, wie sie ihm die ganze Geschichte erklären sollte. „Es ist nett, dass du dir Sorgen machst“, fügte sie schließlich vorsichtig hinzu. „Aber ich bin nicht krank.“ „O doch“, sagte Jonathan. „Du bist krank. Sehr krank sogar.“ Er tippte sich an die Stirn. „Hier oben.“ Annelie lachte. Sie hätte gern vernünftiger reagiert, sie schüttelte den Kopf über sich selbst und lachte. Als nächstes sah sie eine Faust auf sich zukommen. Aber sie glaubte nicht, dass er sie treffen würde.
Er traf ihre Nase. Und dann traf er ihre Wange. Er traf ihr Kinn. Er schlug nicht fest zu, ihm fehlte die Kraft, oder er zielte falsch, oder er gab sich keine Mühe.
Annelie versuchte nicht, auszuweichen. Sie war eine Kriminelle. Sie hatte Prügel verdient. Sie spürte einen dumpfen Schmerz im Gesicht, aber sie taumelte nicht. Sie wusste, dass Jonathan ihr nicht wirklich wehtun wollte. Er wollte sie zur Besinnung bringen, sie aufwecken wie der Prinz das Dornröschen. Nur mit anderen Methoden. Ein Kuss nützte bei ihr ja doch nichts mehr. Im Grunde wollte der Mann ihr nur helfen.
Es war lediglich der falsche Zeitpunkt. Sie musste noch Geschenke einwickeln und die Gans vorbereiten. Jonathan hatte einfach den falschen Zeitpunkt gewählt.
Seit er damit aufgehört hatte, sie zu schlagen, betrachtete er seine Faust. Er schien sich über die Hand zu wundern, die immer noch geballt war.
Sie packte ihn am Pullover und zerrte ihn über ihr Bein. Jonathan achtete nicht auf seine Frau; er sah immer noch seine Faust an. Annelie mühte sich eine Weile mit ihm ab; immerhin war er schwerer und größer als sie. Schließlich fiel er tatsächlich auf den Bauch. Sie sprang ihm hinterher und landete zwischen seinen Schulterblättern. Sie griff in seinen Haarschopf, riss seinen Kopf hoch und knallte ihn auf die Dielen. So wie sie es im Selbstverteidigungskurs gelernt hatte. Nur dass in der Sporthalle immer eine Matte über dem Boden lag.

Presse
„Eine literarische Freude: Wer bissigen Humor mag, wird sich mit dem Buch köstlich amüsieren.“ Für Sie

„Grit Poppe schreibt herrlich bissig und lakonisch. Und sie hat ein Gefühl für Situationskomik… Fast nüchtern zeigt sie, wie weh sich nur Leute tun können, die sich scheinbar in- und auswendig kennen und dabei überhaupt nichts vom anderen wissen… Sprachlich ist Poppes Buch immer wieder überraschend.“ NDR Buchtipp

„Grit Poppes Roman ‚Geteiltes Glück’ ähnelt einem Vexierbild: Wenn sich die Blickrichtung ändert, wird das Verborgene sichtbar, schlägt eine mit viel Humor erzählte Trennungsgeschichte plötzlich um in eine frostige Beziehungstragödie. Aber schnell kippt das Bild zum zweiten Mal, und es überwiegt wieder das Heitere…“ FAZ

„Szenen einer Ehe – umwerfend komisch… Manche der kurzen Kapitel sind filmreif, Slapstick vom Feinsten.“ Ostsee-Zeitung

„Die Potsdamer Autorin Grit Poppe schreibt knackig, bissig und frisch. Ihr reichen wenig Worte und kurze Sätze und die Leserin checkt, was in ihren Figuren ist.“ Radio Fritz rbb

„… eine bissige Beziehungskomödie, die hintersinnig und höchst unterhaltsam von Liebe und Sehnsucht erzählt.“ Schweriner Volkszeitung

„Ein distanziert-humorvoller Roman, der einiges an Skurrilitäten zu bieten hat… Ein ungewöhnliches Buch voller Sarkasmus und Lakonik.“ Bn. Bibliotheksnachrichten

„Immer wieder lässt Grit Poppe recht ernste Szenen, die sich auch zum Drama entwickeln könnten, in die Komik umkippen. Dabei beweist sie einen guten Blick für die grotesken Momente…“ Dresdner Neueste Nachrichten

„Beide stürzen sich in Abenteuer, machen die absurdesten Sachen, begegnen den eigenartigsten Typen und legen selbst merkwürdige Marotten an den Tag. Das Normale ist das Unnormale. Grit Poppe ist eine Meisterin der Übertreibung.“ DISPUT

Der letzte Satz
Es kam ihr fast vor, als müsste sie die Heimat verlassen und in die Fremde zurückkehren.

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